Es gibt Tage, die fangen schon großartig an. Heute zum Beispiel, Sonntagmorgen, lange Ausschlafen, im Bett liegend Facebook und Mails checken, toller Tag.
Langsam aufstehen, fertig machen, irgendwas anziehen, mal wieder rasieren, in die U-Bahn, nicht zu warm draußen, aber sehr gut erträglich. Plan heute: bei Topman noch mal nach ein paar Shirts und einer Hose suchen.
Eigentlich hätte der Tag an dieser Stelle nicht wesentlich besser werden können, ein paar Stationen mit der relativ leeren U-Bahn gefahren, in den Laden rein, ein bisschen umgeschaut und von selber (!) kam ein Verkäufer an, und hat mir seine Hilfe angeboten. Nicht wie in Deutschland, sondern eher ‘Hey, what’s up? So, you’re looking for pants? Well, let me see, I think those would look great on you, which colour? Or let me just get all the colours and you try them all on.’
Ich meine – seriously – wann habt ihr so etwas mal in einem deutschen Geschäft erlebt? Ich habe jedenfalls dann tatsächlich alle 5 Farben dieser Hose, von der er richtig ging in der Annahme, dass sie super sitzt und aussieht, anprobiert und mich schließlich doch nur für die schwarze entschieden, weil ich rot ja in Deutschland schon gekauft hatte und blaue schon genug habe. Vielleicht bestelle ich ja noch mal eine im Internet, braun sah auch nicht schlecht aus.
Während ich noch am Anprobieren war (dabei auch großartige Hilfe durch die Kommentare des Verkäufers) wurde mir nach einem kleinen Smalltalk über meinen Aufenthalt in Singapur angeboten, ob ich nicht bei dem Wetter auch noch kurze Hosen bräuchte. Brauche ich tatsächlich, also war er so freundlich, mir weitere 4 verschiedene kurze Hosen zu organisieren, von denen ich letztlich nur die dunkelblaue genommen habe.
‘Hey, your shoes, they’re from Topman, right? You know, I think the blue ones would go great with the shorts’ – Hey, warum nicht? Für den Preis, also noch die blauen Schuhe mit dazu, die ich schon in schwarz habe.
Nachdem der nette Herr also nun ein paar einfache Phrasen erfolgreich angewendet hatte, um mich zum Kaufen weiterer Produkte zu bewegen, wollte er sich auf den Weg zur Kasse machen. Zufrieden mit seinem Verkauf, wie ich den Eindruck hatte.
Allerdings, wie gesagt, wollte ich ja noch Shirts haben.
‘Oh really? So, well, of course, let me see what I got for you’ Zusammen haben wir also die T-Shirt-Ständer durchsucht, wobei ich sagen muss, dass ich noch nie zwischen einem Verkäufer und mir eine plötzlich freundschaftliche Atmosphäre hatte. Ich hatte fast das Gefühl, mit einem guten Freund einzukaufen – wie gesagt, deutscher Service ist einmalig schlecht.
Im Endeffekt konnten wir uns dann auf vier T-Shirts einigen, die aus beider Augen gut aussahen. Auch selten, dass ein Verkäufer mir sagt: ‘Well, that one is more expensive and I’m supposed to say how great it looks on you, but seriously, it doesn’t, take this one, it’s better’ – Brauche ich noch weitere Worte über deutschen Service verlieren?
Auf dem Weg zur Kasse bin ich dann noch mal bei den Hemden hängen geblieben und mit dreien davon in die Umkleide. ‘I don’t think I like these two.’ – ‘No, the blue one is a bit too colourful for you and the other one … well …’ – ‘It’s olive-green.’ – ‘Exactly.’ – ‘But I’m going to try all three, maybe we’re surprised’
Im Endeffekt waren wir tatsächlich überrascht, weil ausgerechnet das blaue und grüne Hemd großartig aussahen, und das weiße eher langweilig. ‘Well, I didn’t expect that! But the green one is just perfect for your green eyes, I hadn’t considered that. So which one do you take eventually?’ – ‘Blue or green. What would you say?’ – ‘Well, the green one is nice with your hair and eyes, but the blue one is a bit more colourful and would be perfect for the shorts you wanted to buy. Ah, I don’t know, it’s so hard to decide. Maybe ask someone else what they think and then we decide?’
Ich habe dann einfach beide genommen.
An der Kasse haben wir noch einen Augenblick über Gott und die Welt geplaudert, während er gescannt und eingepackt hat und war vollkommen perplex über das Trinkgeld – in Singapur gibt normalerweise niemand Trinkgeld, aber ich hab ihm dann erklärt wie der Service in Deutschland aussieht und bin im Endeffekt einfach unglaublich zufrieden gewesen.
Natürlich war das ein sehr teurer Nachmittag, aber mit den Klamotten bin ich ausgezeichnet zufrieden und hatte durch den netten Typen einen sehr gut unterhaltenen Nachmittag. Scheiß drauf, dass es genau sein Job ist, mir alles möglich anzudrehen, aber in Deutschland versuchen sie das einfach viel schlechter als hier und schaffen es nicht, zweieinhalb Stunden (!) mit mir durch ihren Laden zu laufen und alles Mögliche aus- und anzuprobieren. Schade, dass es weder solche Hilfe, noch überhaupt einen Topman-Store in Deutschland gibt. Freue mich schon darauf, in England im Sommer dort wieder einkaufen zu können, falls wir einen finden.
Nun liege ich auf dem Bett, fühle mich gut, freue mich auf die restlichen 4 Tage und noch viel mehr auf die Rückkehr danach. Sonst ist in den letzten Tagen seit meinem letzten Post nicht viel passiert, gestern einen ruhigen Tag in der Wohnung verbracht (von dem ich die Hälfte geschlafen habe) und die Tage davor war ich zum Praktikum im Büro und habe ein paar Mitbringsel-Geschenke gekauft. Eine Tortur bei 37° mit langer Hose durch Chinatown zu laufen. Ernsthaft, so fertig und kurz vorm Zusammenbruch war ich noch nie wegen Hitze, glaube ich.
Anyway, schöne Tage gehabt, ein paar noch vor mir. Freue mich auf Freitag.

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